visions4people_ artistic research meets psychiatry

Intro

visions4people war ein dreijähriges Pilotprojekt der weißensee kunsthochschule berlin (khb) in Kooperation mit der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Mitte (CCM). Das Projekt wurde unter der Leitung von Prof. Tyyne Claudia Pollmann entwickelt und durchgeführt.

Im Zentrum standen die Bedarfe und Wünsche der Patient*innen, die vor Ort im direkten Austausch ermittelt und in Form von sogenannten Scape Research Narratives dokumentiert wurden. Diese Erkenntnisse bildeten die Grundlage für künstlerische, kreative und partizipative Entwürfe, Werke, Prototypen oder Planungsskizzen der teilnehmenden Studierenden der khb. Es entwickelte sich eine transdisziplinäre und partizipative Arbeitsweise, die zu 19 unterschiedlichen gestalterischen Ergebnissen führte. 

Das transdisziplinäre Team setzte sich aus Fachpersonen aus den Bereichen Kunst, Design, Architektur, Psychiatrie und Soziologie zusammen (siehe „people“ weiter unten).

visions4people wurde dank einer Anfrage von Prof. Dr. Dr. Andreas Heinz und Dr. Bernhard Haslinger initiiert, die dazu führte, dass ich ein Konzept für visions4people entwarf, welches von der Qualitätsoffensive Berlin, QIO gefördert wurde.

Das Foto zeigt Prof. Heinz und  Prof. Pollmann während der Einweihung von TransVer und visions4people im 3. Hinterhof der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

 Foto: Aaron Pollmann

Foto: Aaron Pollmann

Fazit

visions4people führte im psychiatrischen Kontext zu einer Erprobung und kritischen Reflexion gängiger Gestaltungsansätze wie Design Thinking, partizipatives Design oder gestalterische/künstlerische Interventionen mit methodisch definierter und (durch Fragebögen und weitere Tools gerahmer) Beteiligung der Patient*innen.

Diese Methoden erwiesen sich in der konkreten Situation als unzureichend, da standardisierte Werkzeuge oder Interaktions-Kits eine Distanz erzeugen, die eine unmittelbare Erfahrung der realen Bedingungen und ein Austausch mit Patient*innen und Personal für die Initiator*innen verhindert und die Wahrnehmungen, Bedarfe und Vorschläge der Nutzer*innen nur durch Fragen gefiltert zulässt und sie nicht offen zu Wort kommen können.

Eine tatsächliche Kooperation ist unter diesen Bedingungen nicht möglich, da die Betroffenen nicht in Entscheidungsprozesse eingebunden werden.

Eine Form tatsächlicher Co-Creation muss noch entwickelt und erprobt werden. Sie kann insbesondere in transdisziplinären Teams gelingen, deren Mitglieder durch ihre unterschiedlichen Denkansätze verschiedene Perspektiven einbringen. Echte soziale Teilhabe bedeutet, dass Betroffene und Nutzer*innen aktiv mitwirken und mitentscheiden. Die Einführung neuer Begriffe oder Lippenbekenntnisse reichen nicht aus. Es braucht eine gelebte Praxis.

Das Ziel ist, dass aus Betroffenen Beteiligte werden: „From being affected to getting involved“. 

Dies gilt für alle Rollen: die der Patient*innen, des Personals wie auch die der Forscher*innen.

Alle Beteiligten

Alle aktiv Beteiligten werden genannt – die Patient*innen haben fiktive Vornamen erhalten:

Ahmed, Arthur, Britta, Bruno, Charlotte, David, Dimitrij, Dirk, Donald, Frank,

Hanna, Heide, Henri, Karina, Kim, Klara, Klaus, Lars, Lisa, Lloyd, Luisa,

Mark, Martin, Matthias, Max, Michael, Miriam, Nick, Olaf, Paul, Phillip,

Pierre, Roland, Sam, Stefanie, Sven, Tim und Dr. Rau

Sommersemester 2016

Kurs „I.IS.YOU. goes real“: Prof. Tyyne Claudia Pollmann (Projektleitung).

Kursteilnehmer*innen: Christin-Luisa Amann, Julia Bahn,

Katrin Bergner, Maria Bierbaums, Johanna Ewert, Nina Fürstenberg,

Frida Grubba, Anke Grunow, Raphael Hofmann, Maximilian Hinterecker,

Luisa Haase-Kiewning, Jannis Kempkens, Joost van Kessel,

Charlotte Mende, Pedro Moraes Landucci, Mirko Rachor,

Frederike Rehfeldt, Sophie Schmidt, Elionor Sintes, Niels Walter.

Besucher*innen: Doris Kleilein, Jan Liebscher, Prof. Ulrike Kluge, Dr. Bernhard Haslinger.

Wintersemester 2016/17

Prof. Tyyne Claudia Pollmann (PL),

Dr. Bernhard Haslinger (Seminarleiter Psychiatrie),

Jason Danziger (Seminarleiter Architektur),

Sarah Bäcker (Künstlerische Mitarbeiterin),

Sabine Biedermann (Soziologische Mitarbeiterin),

Franziska Harnisch (Projektassistentin),

Jannis Kempkens (Studentische Mitarbeit).

In der Semesterpause Februar 2017

Beschilderungssystem und Möblierung des Gestaltungskonzepts für den Besucherraum im Erdgeschoss:

Prof. Tyyne Claudia Pollmann, Sarah Bäcker, Luisa Haase-Kiewning,

Jannis Kempkens, Niels Walter, Luisa Lauber, Frederike Rehfeldt, Frida Grubba.

Renovierung des Veranstaltungsortes während der Semesterpause 2017:

Prof. Tyyne Claudia Pollmann, Sarah Bäcker, Franziska Harnisch,

Sabine Biedermann, Luisa Haase-Kiewning, Niels Walter,

Frederike Rehfeldt, Johanna Ewert, Frida Grubba.

Sommersemester 2017

Prof. Tyyne Claudia Pollmann (Künstlerische Leitung), Dr. Bernhard Haslinger

(Fachberatung Psychiatrie), Jason Danziger (Lehrauftrag Architektur),

Sarah Bäcker (Künstlerische Mitarbeiterin), Raphael Jacobs & Quang Duc Nguyen

(Studentische Mitarbeitende).

Andreas Kallfelz (Redaktion studentische Texte khb) und Agata Kycia (Textil/Fläche khb)

besuchten uns und berieten uns für die Zwischenbewertung.

Kursteilnehmer*innen:

Eunseo Kim, Maria Jacquin, Chloe Pare-Anastasiadou (Bildhauerei);

Amelie Cayre, Felix Rasehorn, Johanna Taubenreuther (Produktdesign);

Juri-Apollo Drews, Abigail F. Wheeler (Textil- und Flächendesign);

Raphael Jacobs, Luisa Lauber (Mode); Quang Duc Nguyen

(Visuelle Kommunikation); Almar de Ruiter (Architektur, TU Berlin).

Wintersemester 2017/18

Prof. Tyyne Claudia Pollmann (Künstlerische Leitung), Dr. Bernhard Haslinger

(Fachberatung Psychiatrie), Jason Danziger (Lehrauftrag Architektur),

Sarah Bäcker (Künstlerische Mitarbeiterin), Julia Emmler (Projektassistentin),

Elena Eulitz (Studentische Mitarbeiterin); Paula Muhr (Studentische Textredaktion).

Kursteilnehmer*innen:

Auriane Robert (Bühnenbild), Elena Eulitz (Textil- und Flächendesign);

Eleni Mouzourou (Kunsttherapie); Eri Kubo, Magda Domeracka,

Marlies Pahlenberg (Bildhauerei); Lukas Maibier,

Maria Evridiki Poulopoulou (Malerei); Pao Kitsch

(Räumliche Strategien); Aki Makita (Visuelle Kommunikation);

Florin Cristea (Sozial- und Kulturanthropologie, FU Berlin);

Daniel Neumann (Promotionsprogramm Kulturwissenschaft, HU Berlin).

Sommersemester 2018

Prof. Tyyne Claudia Pollmann war aufgrund eines Fahrradunfalls arbeitsunfähig;

Heike Reuter (Künstlerische Mitarbeiterin), Julia Emmler (Projektassistentin),

Maria Evrdiki Poulopoulou (Studentische Mitarbeiterin).

Wintersemester 2018/19

Publikationsteam: Prof. Tyyne Claudia Pollmann (Künstlerische Leitung);

Heike Reuter (Künstlerische Mitarbeiterin), Aaron Pollmann (Konzept, Fotos),

Ferdinand Kohler (Bildnachbearbeitung), Shelley Tootell (Studentische Mitarbeiterin).

 

Partizipative Interventionen in der Psychiatrie

Fotos: 1,2,3: Sarah Bäcker – 4,5: Aaron Pollmann –  6,7,8: Sarah Bäcker

Arbeit an künstlerischen Gestaltungen

Fotos: 1,2,3: Sarah Bäcker  – 4: AP  – 5: TCP – 6: Julia Emmler – 7,8: AP

Künstlerische Gestaltungen der Studierenden

Fotos: 1,2: Sarah Bäcker, 3: Johanna Taubenheuther, 4,5,6: Sarah Bäcker

Alle 19 künstlerischen Resultate finden Sie in visions4people Publikation.

Der dritte Raum (Third Space)

Transversal, translational, transdisziplinär, abduktiv, transduktiv – die Adjektive unserer Zeit spiegeln den Wunsch nach Durchlässigkeit und neuartigen Bewegungsformen durch intellektuelle Räume wider. Ein konkretes Ziel wäre es, Foucaults Begriff der Heterotopie aufzugreifen und gemeinschaftliche Räume zu schaffen, in denen unterschiedliche Blickachsen erprobt werden können. Es könnten Räume entstehen, in denen Widersprüche nicht nur erkannt und toleriert werden, sondern auch zu vielfältigen Lösungsansätzen führen.

Der kritische Geograph Paul Routledge bezeichnete diesen Zwischenraum als „third space of critical engagement“, der gerade aufgrund seiner Unschärfe  als politisches wie auch wissenschaftliches Instrument nutzbar ist (Hamm, 2013: 67). 

Auf diese Weise können sich Widersprüche zu einem multidimensionalen Konstrukt verdichten – durch unterschiedliche Fokussierungen auf ein gemeinsames Umfeld. Dies versetzt sowohl die Gestalter*innen als auch die Betrachtenden in Bewegung und schafft ein flexibles Verständnis der Problemlage durch perspektivische Verschiebungen.

So werden sowohl Entwürfe als auch die Integration heterogener Sichtweisen realisierbar, die durch verschiedene erkenntnistheoretische Fenster und Türen neue Möglichkeitsräume und Zwischenräume für Begegnung, Erprobung schaffen – und letztlich für neue Zukünfte.

Alle Texte stammen von Tyyne Claudia Pollmann

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