trancelation

Architektur und räumliche Gegebenheiten
Die Arbeit befindet sich im Kongressraum im fünften Obergeschoss des CCO. Der langgestreckte, schmale Raum mit einer Höhe von über sieben Metern dient als Veranstaltungsort für Kongresse, Feiern und Meetings und öffnet sich zu einer großzügigen Dachterrasse. Architektonisch lässt sich der Raum als Glaskubus beschreiben: Alle Wände bis auf eine bestehen vollständig aus Glas. Der Raum ist sowohl vom fünften als auch vom sechsten Stock aus einsehbar, da seine Höhe beide Ebenen überspannt.

Raum- und Zeitdimensionen
trancelation besteht aus neun Leinwänden, die an den Wandsegmenten zwischen den Glasfeldern der nördlichen Innenwand angebracht sind. Die Dimensionen der Leinwände orientieren sich an den räumlichen Gegebenheiten: Eine großformatige Leinwand misst 376 x 680 cm, während acht kleinere jeweils etwa 233 x 100 cm groß sind. Die darüber- und darunterliegenden Glasflächen fungieren als transparente Zwischenräume, die den Blick ins Innere des Gebäudes sowie auf den oberen Teil des Atriums freigeben. Die Fortsetzung der Spuren über die Glasflächen hinaus bleibt imaginär. Die Arbeit ist durchgängig im Raum präsent, kann jedoch aufgrund der räumlichen Enge nicht simultan erfasst werden. Eine Gesamtsicht ist nicht möglich; die Rezipient:innen müssen sich entlang des Werkes bewegen, zuvor Gesehenes memorieren und im Geist ein Gesamtbild konstruieren. Der Rezeptionsprozess wird so selbst zu einer raumzeitlichen Handlung. Während in leave a trace die Bewegung der Betrachter:innen sichtbare Spuren auf dem Bildschirm erzeugte, entstehen in trancelation mentale Spuren – Spuren der Erinnerung.

Foto: Werner Hutmacher

Foto: Werner Huthmacher

Ein Tag, der nie stattgefunden hat
Die Arbeit bleibt für Besucher*innen zunächst unsichtbar, bis sie den Raum betreten und sich umdrehen. Nachdem sie das Atrium durchschritten haben – möglicherweise noch unter dem Eindruck von leave a trace – erscheint die Installation zunächst wie ein technisches Gerät oder ein Mikroskop, das Ereignisse in Echtzeit aufzeichnet. In trancelation jedoch werden diese Aufzeichnungen vergrößert und einer weiteren Betrachtung zugänglich gemacht. Die Linien auf den Leinwänden wirken wie Drucke von Spuren, die an einem bestimmten Tag hinterlassen wurden. Tatsächlich jedoch wurden die Rohdaten stark verändert – zum einen, um sich an die vertikale Architekturstruktur anzupassen, zum anderen, um die einzelnen, fragmentierten Bildflächen narrativ aufzuladen. Jedes Fragment erzählt eine eigene Episode.

trancelation steht für die verlorenen und ausgeschlossenen Daten, für die Leerstelle – die nicht erfasste und nicht messbare Lücke zwischen Realität und Daten. Übersetzte Spuren: verändert, manipuliert, durch neue ergänzt, zeitlich verschoben, komponierte Bewegungen, die in dieser Form nie stattgefunden haben. Ein Tag, der so nie stattgefunden hat – und doch für viele Tage steht, die es gab.

Foto: Werner Huthmacher

Unbestimmte Farbgebung
Die Wand gegenüber von trancelation bildet die südliche Glasfassade mit Blick auf das Stadtpanorama Berlins. Diese Fassade ist mit einem System aus Jalousien ausgestattet, deren Position automatisch gesteuert wird. Dadurch entstehen wechselnde Licht- und Schattenmuster, die sich auf die Leinwände projizieren. Diese teils schnellen und unvorhersehbaren Veränderungen erschweren die Unterscheidung zwischen der tatsächlichen Farbdruckkomposition und den durch Lichteinfall hervorgerufenen farblichen Modulationen. An sonnigen, aber unbeständigen Tagen resultiert dies in einem dynamischen Wechsel chromatischer Intensitäten.

Foto: Werner HuthmachF

Installation leave a trace: Spurenmuster auf den Glaswänden im Atrium des Charité CrossOver-Instituts

Foto: Werner Huthmacher

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