Intro

Mit Art goes Health entsteht ein Pilotprojekt, welches die Stärkung und Teilhabe sozial benachteiligter Menschen, insbesondere der vulnerablen Gruppe der Patient*innen, als aktive und mitbestimmende Gemeinschaft zum Ziel hat. Hierbei ist zu beachten, dass jede Person Patient*in werden kann. Diese Rolle hat wie die meisten sozialen Rollen einen vorüber-gehenden Charakter und wird wahrscheinlich alle Menschen während ihrer Lebenszeiten einmal betreffen.

Art goes Health entwickelt auf Basis zeitgemäßer methodischer Ansätze ein innovatives Konzept zur künstlerischen Gestaltung in medizinischen Einrichtungen. Internationale Studien zeigen, dass künstlerische Umgebungen Stress senken, genesungsfördernd wirken, Schmerzen sowie Medikamentenbedarf reduzieren und die Aufenthaltsdauern verkürzen.

Art goes Health wird patient*innenorientiert und partizipativ adäquate Aufenthalts- und Arbeitsumgebungen schaffen, die gesundheitsfördernd, nachhaltig und zugleich ökonomisch sinnvoll sind.

Da Evidence Based Design, Healing Architecture und Design Thinking international bereits seit zwei Jahrzehnten vielfach umgesetzt werden, kann Deutschland mit Art goes Health an den Stand der aktuellen Forschung anknüpfen und die neue Dimension der Co-Creation einführen. Sobald ein erstes Pilot-Projekt umgesetzt ist, kann es als Modell für weitere Realisierungen entsprechend der neuen Bedarfe angepasst und umgesetzt werden.

Die Co-Creation-Methoden basieren auf Praktiken der Effectuation: Ermöglichung einer Gestaltung in unsicheren Situationen. Wahrnehmung und Entwicklung vorhandener individueller Ressourcen, die vorsichtig gefördert werden.

Die Methodik folgt den Richtlinien für Participatory Arts Practice in Healthcare Contexts, (Durham University & Waterford Healing Arts Trust). Zusammenfassung:

1) Patient*innen stehen an erster Stelle

2) Bedarfsgerechter, responsiver Ansatz

3) Werte wahren: Respekt, Wertschätzung, demokratische Strukturen

4) Rückmeldungen geben, Evaluationen ermöglichen

5) Leitung – Begleitung, Aufsicht – Übersicht

Konkret: in der Co-Creation mit Patient*innen, die je nach Verfassung und Interesse teilnehmen. Verzicht auf gesetzte Ziele, kein Leistungsdruck; ein kreatives, offenes Feld, Experimentierfreudigkeit, Entwicklungs-möglichkeiten, individuelle Stärkung.

Folgende Fähigkeiten werden erworben, die ebenfalls Projektziele sind: Stärkung und Empowerment von Patient*innen, Aktivierung künstlerischer Kräfte, Entdeckung kreativer Spielräume und eigener Vorlieben, Wertschätzung und Förderung der individuellen Potenziale, Formulierung eigener Ideen und Vorstellungen, reale Erfahrung demokratischer Entwicklungsprozesse, Möglichkeit der Mitgestaltung der eigenen Lebenswelten, die Erfahrung, dass sie als Expert*innen ernst genommen werden, Übernahme von Verantwortung, gemeinsames Ersinnen von Lösungsmöglichkeiten, konstruktive Kommunikation, Kooperation, respektvoller Umgang miteinander, Akzeptanz unterschiedlicher Ideen und Vorschläge, Teilhabe an einem sinnstiftenden Projekt, welches auch nach der Teilnahme weiter besteht, gemeinsames Erwirken einer nachhaltigen Veränderung.

Projektthemen: Das zentrale Thema wird eine Auseinandersetzung mit konkreten realen Bedingungen der Einrichtung sein, in denen dennoch kreative Spielräume entdeckt werden.

Wie können wir eine Umgebung gestalten, in der Patient*innen und Personal sich gern aufhalten? Wie kann ich meine direkten Lebenswelten selbst mitgestalten?

Wie kann ich am besten arbeiten und wir gut zusammenarbeiten?

Wie gelingt eine angstfreie, konstruktive Kommunikation und auch Kollaboration?

Anhand dieser Themen wird gemeinsames demokratisches Ersinnen von Lösungsmöglichkeiten erprobt und führt zur Entwicklung individueller und gemeinschaftlicher Ideen und Vorstellungen. 

Das Projektergebnis ist die permanente Gestaltung einer Einrichtung nach Patient*innen-Ideen, die genesungsfördernd wirkt, zu geringerer Medi-kation und kürzere Verweildauer führt. In einem sinnstiftenden Prozess entsteht eine bessere Aufenthaltsqualität für Patient*innen und Personal. Das Projekt ist hinsichtlich der Ergebnisse (Buch, Film, komplexe Studie) und der Umsetzungen (weitere Orte in der Einrichtung) skalierbar wie auch auf andere Kliniken übertragbar.

Art goes Health entwirft und realisiert durch Co-Creation-Methoden eine Klinik, die nach den Vorstellungen ihrer Patient*innen gestaltet ist. Die Patient*innen werden Teil einer sinnstiftenden Community, erproben gemeinsam diverse kreative Skills, setzen sich als Expert*innen mit ihren unmittelbaren Lebenswelten auseinander und verändern und gestalten sie neu. Sie erzeugen für sich und für die zukünftigen Patient*innen eine genesungsfördernde und nachhaltige Umgebung.

Auf diese Weise entstehen mit und für die Nutzer*innen gesundheits-fördernde Räume. Zugleich öffnen sich für Künstler*innen neue, kreative und gesellschaftlich relevante Wirkungsfelder. Damit wirkt Art goes Health in beide Richtungen – in die künstlerische wie in die medizinische – und erzeugt synergetische Wechselwirkungen. Gerade in den gegenwärtigen Zeiten wird Art goes Health für einen verbesserten gesellschaftlichen Zusammenhalt und für die Schaffung relevanter transdisziplinärer Kooperationen sorgen.

Diese Webseite zum Thema Art goes Health wird bereits vor einem möglichen Projektstart mit allgemeiner Info, Studien-Archiv und fach-spezifischen Verteiler für Kultur und Gesundheit generiert. Sie informiert über Methoden und Arbeitsphasen, enthält ein internationales Studien-Archiv und baut einen transdisziplinären Expert*innen-Pool auf.

Mit Art goes Health entstehen konkrete Handlungsempfehlungen für Politiker*innen und Führungskräfte aus Gesundheitswesen und Kultur. Mit Vertreter*innen dieser Felder kann eine Implementierung genesungs-fördernder künstlerischer Maßnahmen ausgelotet und entwickelt werden.

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